Kirschblüte – Sakura! Hanami! Es blüht!

Die typischste Kultur in Japan könnte Sakura sein. Wir haben Glück und erheischen mit unserer Ankunft in Japan noch die letzten Sakura-Tage in Osaka und Umgebung. Wenn auch nicht mehr die ganz reine Blüte – als wir ankommen, haben die meisten Kirschbäume bereits erste zarte Blätter. Doch die Party wird deshalb noch nicht abgeblasen.
Die Kirschblüte wird von den Japanern intensiv zelebriert. Wo mehr als drei Kirschbäume blühen, da lassen sich Menschen zum Picknick nieder.

Eine Allee von Kirschbäumen bietet die Kulisse für ein Strassenfest mit vielen Streetfood-Ständen.

Wo malerische Motive locken, wie ein Castle, Berge oder der perfekte Ausblick, kann man reichlich Selfieknipser beim Fotografieren erleben, oder auch festhalten 😉

An jedem Ausflugsort, egal wie klein oder scheinbar unbedeutend, gibt es einen Prospekt: welche Sehenswürdigkeiten gibt es, wo sind die besten Fotomotive – in den Stadt- oder Parkplänen sind die besten Viewpoints markiert!, wie hier im Yoshino Nationalpark …

… welche Spezialitäten gilt es zu kosten und was sind die besten Souvenirs vor Ort. Das sind dann meist zu zwei Dritteln Spezialiäten und ca. ein drittel Handwerkskunst und/ oder Nippes und kann in etwa so aussehen:

Auch die typische Reserviertheit erleben wir in diesen ersten Tagen in Japan nicht. Kaum in Osaka und mit festem Boden unter den Füssen (die Überfahrt!), helfen uns am Ticketautomaten zwei sehr nette Menschen, die wir tatsächlich am Nachmittag im Getümmel der Sakura Party beim Mint Museum wiedersehen, in der Millionenmetropole.

Nachdem uns während der Überfahrt von Shanghai nach Osaka der Appetit gründlich abhanden gekommen war, kam ich mit einer grossen Tasche frischem Obst von Bord. Diese durfte ich dann gleich bei der Einwanderungsbehörde abgeben. Nur das hart gekochte Ei nicht – das wurde mir im Laufschritt noch zurückgebracht, gerade bevor ich den Zoll passieren wollte.

In Osaka Station geleitete uns eine mehr als hilfsbereite Frau quer durch den Doppelbahnhof, bis wir auch wirklich das richtige Ticket in der Hand hielten und und im richtigen Zug gen Yoshiko Nationalpark sassen, um dort die berühmte Kirschblütenpracht zu erleben. Nicht ohne den Hinweis, doch lieber heute zum Osaka Castle zu fahren, bevor morgen der Regen kommt und die letzten Kirschblüten herunterspült. Es hat dann aber sowohl für den Yoshino Park als auch für das Osaka Castle gereicht, hier der Burggraben:

OSAKA

Nach drei Tagen Sakura satt kommt der Regen an Tag vier unserer erste Woche in Japan. Zum Ankommen im Land wohnen wir in Osaka in einer typischen japanischen Wohnung und finden uns bald ein in dieser Kultur.

… und Bodenkultur 🙂

Wir finden heraus, dass das, was uns bei der Einfahrt im Hafen von Osaka rätseln liess, was es sein könnte, die MVA von Osaka ist, erbaut vom spanischen Architekten Antoni Gaudi, die diesem Land sehr fremd wirkt.

Leider passen die Öffnungszeiten der MVA nicht für uns und so geht es ins Kaiyukan-Aquarium von Osaka. Vorab hatte ich gelesen, dass es das grösste Aquarium Asiens sei und eine besondere Architektur hätte, die sich am Ring of Fire und Ring of Life orientierte. Letztlich wurden viele verschiedene Fisch- und Walarten in ein riesiges Glas ohne nix verfrachtet, von denen einige (eigentlich alle) definitiv nichts dort zu suchen hatten, und drehten ihre Runden, wie auch in anderen Aquarien, die wir besucht haben.

Zu Tieren haben Japaner wohl ein anderes Verhältnis als Europäer. Die Baikalrobben im Museum in Listwjanka waren allerdings auch nicht grosszügiger einquartiert. Das mag an den verschiedenen Kulturkreisen liegen.

Dafür haben die Asiaten schon längst die faszinierende Schönheit von Quallen erkannt und setzen diese in Aquarien wunderbar in Szene (zu artgerechter Haltung von Quallen war nichts Konkretes herauszufinden, Ihre Psyche wurde wohl noch nicht allzu ausführlich erforscht).

In Osaka steht das höchste Gebäude von Japan: Abeno Harukas, 300 Meter hoch. Der Shanghai Tower ist zwar mehr als doppelt so hoch, aber die Aussicht vom Abeno Harukas ist grossartig. Leider gibt es davon kein Foto, die Kamera meines Fairphones hatte bereits an der Grenze zwischen Finnland und Russland seinen Geist aufgegeben.
Die Aussichtsplattform im Abeno Harukas ist grandios: über den 58. bis 60. Stock verteilt, mit einem offenen Sky Garden, Free Hanging on the Top, Feuerwerk-Simulator und vielem mehr. Dabei beeindruckt schon allein die Aussicht.

Hier ein Bild vom Umeda Sky Building, ebenfalls in Osaka – hier ist Schwindelfreiheit vorausgesetzt, wenn man denn auf den offenen, sehr steilen Rolltreppen fahren möchte …

Fake Fake Fake

Die Auslagen der Restaurants und Bars zeigen täuschend echte Imitate bzw. Ansichtsexemplare der hiesigen Speisekarte. Da läuft einem schon beim Anblick vom äussert schmackhaft wirkenden Plastik das Wasser im Mund zusammen 😉 … übrigens wurde in Osaka das Sushi-Band erfunden, womöglich sogar in dieser Sushi-Bar:

Eine Bentobox für die ShinkansenFahrt auszusuchen, kann dann schon mal leicht überfordern:

Ums Eck finden wir uns staunend in einem Imitate-Laden wieder …

… und nutzten die Gelegenheit, eigene Sake-, Ikura-, Toro- und Futo-Nigiri zu kreieren 🙂

Ein echter Fischmarkt ist allerdings einiges schmackhafter und dort kann ich auch Konbu und Fischflocken ersteigern. Auch wenn das eingelegte Gemüse sehr gut aussieht – geschmacklich schaffe ich es leider in den ganzen zwei Monaten nicht, mich für salzige und in geheimnisvollen Schlacken eingelegte Pickles zu begeistern.

Dotonbori

Das quirlige, weit über Osaka hinaus berühmte Ausgehviertel Dotonbori macht einfach Spass und lässt mich staunen:
mit seinen Geschäften, in denen eine Riesenauswahl an Samuraischwertern und Messern angeboten wird, Läden ausschliesslich mit Essstäbchen, eines schöner als das andere, den vielen Restaurants, von denen das mit der überdimensionalen Krabbe, die einladend ihre Scheren schwingt, das berühmteste sein dürfte, Waffelbäckern, die Leute engagieren, damit diese in Plüschkostümen bekannter Comicfiguren Hände schütteln und als Fotomotiv mit Passanten herhalten, um ihre Waffelkreationen anzupreisen – natürlich in besagten Comicformen.

Ein Stand, der französisches Kastenweissbrot verkauft und wo die Ordnungskraft einschreiten muss und Lines zum Anstehen absteckt, weil gleich dreissig Kunden aufs Mal die nächste Fuhre Brot frisch aus dem Ofen erwerben wollen, und das vor einem drei Meter breiten Laden. Daneben der berühmte Käsekuchenbäcker, vor dem sich im Anschluss an den Toast-Run die Massen anstellen, um einen köstlich-fluffigen Rikuro Ojisan– mit Brandmal, dem Erkennungszeichen – zu ergattern. Dazwischen ein kleiner Stand, der unglaublich leckere Gyoza anbietet, daneben ein türkischer Eisverkäufer, der mit Freude seine Kunden zum Narren hält, bis sie dann endlich, endlich ihr kaugummiartiges Glace in der Waffel behalten und essen dürfen.

Onsen

Onsen, Bäder mit heissen Quellen, entdecken wir die verschiedensten im ganzen Land. In Osaka selber habe ich mit zwei Onsen gleich grosse Unterschiede erleben können: das eine ein paar Strassen weiter von unserer Unterkunft. Ich bin überrascht, dass gleich um unser Eck Obdachlose sich eigene Papphäuser unter der S-Bahnbrücke errichtet haben und Männer offen urinierend durch die Gassen laufen. Das Badehaus ist sauber, und doch hängt in ihm ein (grosser) Hauch von Trostlosigkeit, und ich bin froh, dass ich dieses erste Onsen-Erlebnis in Japan alleine erlebe. Das Beste: ich bin gut vorbereitet, man darf nich das kleinste Tattoo auf der Haut haben und reinigt sich erst gründlich, bevor man ins heisse Wasserbecken steigt. Gleich nach mir kommt eine ältere Frau ins Bad: mit riesigem Tattoo auf dem Rücken und direkt ab ins Wasser – was für eine Irritation zum ersten Onsen-Erlebnis 🙂

… zweihundert Meter vom Onsen entfernt sah es so aus:

Dann direkt neben dem Wholesale Market, der sich an unserem letzten Abend in Osaka als DER Fischmarkt herausstellt,  das Gegenteil: statt 400 Yen nun 800 Yen Eintritt, und eine komplett neue Welt tut sich auf:
eine grosszügige Lobby, verschiedenste Bäder im Innenbereich, feine Pflegeprodukte, eine Sauna. Im Aussenbereich einzelne Holzzuber, Liegewannen mit Sprudel, stimmungsvolle Illumination und ein grosses (Frauen-) Gemeinschaftsbecken mit sehr grossem Bildschirm, auf dem eine Kochshow läuft. Und die läuft IMMER, egal in welchem Onsen oder Rotemburo (ein Bad ohne eigene heisse Quelle) – ein TV läuft, die Kochshow ist sicher. Und immer schauen und lauschen genügend Badende sehr interessiert. Essen und seine Zubereitung haben einen grossen Stellenwert in Japan, was uns noch häufig auf der Reise erfreuen wird 🙂