Hildegard von Bingens Visionen sind hochaktuell: Hildegards Grundsatz im Leben war, dass der Mensch in der Verantwortung steht, achtsam mit der Schöpfung umzugehen. Die Vision „Die Seele und ihr Zelt“ bildet das Fundament der Textfassung von "Vision:Version 2012". Der Abend folgt in seiner Dramaturgie dem Tagesablauf in einem Benediktinerkloster. In unserer Fassung sind die Stundengebete moderne Texte, von Ghandis „7 Tod-sünden der modernen Gesellschaft“ über Werbeslogans bis zu eigens geschriebenen Liedtexten, die den Bogen von Hildegards Zeit in die Gegenwart spannen.



Textproben:

Die Seele und ihr Zelt

Wer die Buße für seine Sünden vernachlässigt,  weil er behauptet, es sei ihm zu schwer, seinen Leib zu züchtigen, der ist ein Elender, weil er nicht für sich selbst sorgen und keinen Arzt suchen will. Er verlangt nicht nach Heilung seiner Wunden, sondern verheimlicht den Pestgeruch in sich und deckt heuchelnd den Tod zu, damit man ihn nicht sehe. So eilt er in den Tod, weil er den Tod geliebt und das Reich Gottes nicht gesucht hat. Erläuterung Hildegards

20.00 Uhr Komplet a) – Nachtgebet

Genuss ohne Gewissen/ Macht ohne Verantwortung/ Privileg ohne Bewusstsein/ Geschäft ohne Moral/ Wissenschaft ohne Menschlichkeit/ Politik ohne Prinzipien.

Mahatma Ghandi

Die Sünde besteht in der Flucht vor der Verantwortung, in der Halbheit der Entscheidung und im Verzicht auf die bewusste Gestaltung des Lebens. Hildegard von Bingen                                                             

20.00 Uhr Komplet b) – Nachtgebet

Spesen ohne Quittung/ Erdbeeren ohne Sommer/ Bonus ohne Steuern/ Kinder ohne Kindheit/ Cola ohne Zucker/ Mensch ohne Natur/ Körper ohne Patent/ Hinrichtung ohne Verfahren/ Milch ohne Verfallsdatum/ Zapfenstreich ohne Anstand/ Doping ohne Sport/ Staaten ohne Kredit/ Sex ohne Lust/ Spass ohne Ende/ Freiheit ohne Wahl

Hannes Rudolph
















Video (Trailer)

Video (Mitschnitt komplett)

flyer_vision–version_2012.pdf

Spielorte:

Theater am Gleis, Winterthur; Bühne S, Zürich;

Offene Kirche St. Jakob, Zürich; Stanzerei Baden;

Theater Keller 62, Zürich


Konzept, Spiel: Katrin Segger

Regie, Textfassung: Hannes Rudolph

Musik: Astride Schläfli

Raum und Licht: Peter Meier

Assistenz: Beatrice Beier

Produktionsleitung: Katrin Segger

Produktion: Theater topoï:log

Eure Zungen aber sind stumm. Sie lieben nicht die heilige Vernunft, die wie die Sterne eine kreisförmige Umlaufbahn hat. Ihr seid Nacht, die Finsternis aushaucht und gleichsam ein faules Volk. Wegen eures ekelhaften Reichtums, der Habsucht und der übrigen Nichtigkeiten unterrichtet ihr eure Untergebenen nicht und lasst sie auch nicht bei euch Belehrung suchen, indem ihr sagt: wir können nicht alles schaffen. Zitat aus: Brief an die Hirten der Kirche, Hildegard von Bingen

© Martin Boyer

Gefördert:

Premiere 05.04.2012

Vision:Version 2012

Theater am Gleis, Winterthur